Töpferei Waal

von Jeanette Arndt

Mein zweiter Werkstattbesuch ist bei der Töpferei Waal von Jeanette Arndt. Das Wetter und die Landschaft am Rande des Allgäus versprechen schon, dass es heute wieder einmal ein schöner Ausflug wird.

Jeanette Arndt - Inhaberin der Töpferei Waal

Jeanette Arndt – Inhaberin der Töpferei Waal

In der Ortsmitte in Waal, unweit der Kirche, ist die Töpfer-Werkstatt von Jeanette Arndt zu finden. Schon das Haus, das von 1860 stammt, beeindruckt. Von jeher sind Handwerker in diesem Gebäude ihrem Fach nachgegangen. Erst Sattler, dann wurden in den Räumen Haare geschnitten und nun töpfert hier Jeanette Arndt. Die Fassade des Hauses stimmt schon auf die Reise in ein Traumland ein. Große Zuckerstangen, Hasenfiguren und noch vieles mehr zieren die Hauswände.

Aufgrund der aktuellen Schutzmaßnahmen nehmen die Besucher zurzeit den hinteren Seiteneingang, der direkt in ihren Laden führt. Zu „normalen“ Zeiten dürfen die Kunden direkt durch die Werkstatt im vorderen Teil des Gebäudes zu den Verkaufsräumen durchgehen. 

Jeanette würde man wohl als „aufgeweckt“ bezeichnen. Die sympathische Handwerkerin ist eine echte Powerfrau. Man spürt sichtlich die Energie, mit der sie all ihren Projekten mit Leichtigkeit nachgeht. Es sind nicht nur Töpfer-Werkstücke, die die Künstlerin fertigt, aber dazu später mehr.

Schon mit 14 Jahren hat sie den Wunsch, ein Handwerk zu erlernen. Durch ein Schulpraktikum im Nachbarort Mering kommt die gebürtige Kissingerin zur Töpferei Lipp. Dort war man von ihr so angetan, dass sie die Ausbildungsstelle zur Keramikerin erhält. Nach der Ausbildung macht sie ein Gesellenjahr in Baden-Württemberg bevor sie sich mit ihrer eigenen Werkstatt selbstständig macht. Mittels einer Anzeige werden ihr Räumlichkeiten in einem Gewerbegebiet in Waal angeboten. Nach zwei Jahren zieht sie in das Handwerkerhaus in der Ortsmitte um. Seit 17 Jahren ist sie nun in Waal, hat dort ihre Liebe gefunden und ist auch im Ortsgeschehen eine feste Instanz. So fertigt sie unter anderem für die Waaler Passionsspiele das Bühnenbild.

Ob Sie nun schon eine Einheimische ist? – „Solang ich keinen großen Bock schieß‘ und das Bühnenbild nicht vermassel“, scherzt sie, sei sie voll integriert. Seit zwei Jahren besitzt sie mit ihrem Lebensgefährten auch einen Laden in Landsberg. Ihr Partner arbeitet im Geschäft voll mit und hält ihr den Rücken frei. So kann sie sich voll ihrer Kreativität hingeben. 

Ihre Markenzeichen sind weiße Keramikstücke mit Verzierungen in Gold oder Malereien. Verspielt sehen die Keramikkunstwerke aus. Sie möchte ihren Kunden nicht nur einen Gebrauchsgegenstand liefern, sondern auch ein kleines Stückchen Glück und Freude. Über die Zeit erkennt sie, dass immer mehr Geschirrstücke nachgefragt werden. In der Zeit der Ausgangsbeschränkung aufgrund der Corona-Pandemie, in der auch sie ihren Laden geschlossen halten musste, wurde vor allem Töpferware für Katzen, Hunde und Babys bestellt. Auch Auftragsarbeiten nimmt sie sehr gerne an. Beispielsweise bemalt sie Tassen und anderes Geschirr nach Vorlage. Sogar eine Urne für eine Katze hat sie schon gefertigt. Tiere haben es ihr angetan. Im Laden in Waal sind zwei Katzen die heimlichen Chefs. Präzise springt die eine auf den vollgestellten Ladentisch, ohne, dass ein Stück auch nur einen Kratzer abbekommt. Die andere ist nicht so kontrolliert, schmunzelt Jeanette. 

Was mich überrascht ist, dass die eigentliche Arbeit, mit der man das Töpferhandwerk verbindet, das Drehen am Töpferrad, am wenigsten Zeit einnimmt. Bis beispielsweise ein Tasse fertig ist, hat sie das Material vom Rohzustand bis zum fertig glasierten Kaffeebecher ungefähr 25 mal in der Hand. 

Aber nicht nur Geschirr für Mensch und Tier werden von ihr getöpfert. Fürstenhäuser zählen zu ihren Kunden. Der Adel schätzt das Handwerk sehr, erzählt sie mir. Für ein Sommerfest eines Fürsten hat sie Aschenbecher im Wild-West-Look hergestellt. Die Gastgeschenke seiner Durchlaucht kamen gut an. Für die Oldtimer-Ralley in Landsberg gestaltet sie die Siegerpokale. Die Basis ist schon fertig, nur der Deckel fehlt noch. Doch auf ihn soll das Datum des Wettbewerbs, der aber aufgrund der derzeitigen Lage immer wieder verschoben wird.

Auf dem Friedberger Sonnwend-Töpfermarkt stellt sie seit der ersten Stunde aus. Mein Hinweis, dass der Markt nächstes Jahr das 20-jährige Jubiläum feiert, macht sie stolz und nachdenklich. Sie ist gerne auf dem Friedberger Markt und erwähnt sogleich auch die Freiwillige Feuerwehr Friedberg. In einem Jahr habe es so arg geregnet, dass sich vor ihrem Stand immer ein kleiner See gebildet hat. Die Feuerwehrler haben alle Stunde ihr das Regenwasser abgesaugt. In der Zwischenzeit hat sie eine Ton-Wassernixe schwimmen lassen. Das nasse Wetter tat aber ihrer Stimmung nichts, gemeinsam mit ihrer Freundin habe sie herzhaft gelacht. Manche Besucher ließen sich vom Dauerregen nicht abhalten und waren dennoch in Kauflaune.

Die Handwerkerin ist ein echtes Allround-Talent. Neben ihrer Töpferware hat sie auch gemeinsam mit einer Designerin ein Kleid aus Ton gefertigt, ein Kinderbuch illustriert, Gruß- und Einladungskarten bemalt und Designs für Autobeschriftungen gestaltet. Für eine Braut hat sie ein ganz persönliches Hochzeitskleid bemalt. Nach 35 Jahren mit ihrem Lebensgefährten haben sie sich für die Heirat entschieden. Jeanette hat die gesamte Liebesgeschichte der beiden auf das Brautkleid gemalt. Ich bin beeindruckt von Jeanette Arndt. Eine echte Künstlerin. Eine echte Powerfrau.


Zum Marktstand der Töpferei Waal von Jeanette Arndt.

Über den Verfasser:

MICHAEL RUTTMANN

Mit über 10 Jahren Erfahrung in Marketing und Werbung biete ich die Leistungen einer Fullservice-Werbeagentur an.

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